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VON ELKE NIEDRINGHAUS-HAASPER
• Bad Oeynhausen. Mit dem Bandeon wird alles anders: Körper verschmelzen miteinander, Tänzer schließen die Augen, genießen, Köpfe lehnen an Schultern, Beine schlingen sich dramatisch um Hüften. Die Musik erzählt eine Geschichte - traurig, melancholisch und erotisch zugleich. Dann plötzlich Stille. Die Tänzer stehen, halten inne, warten, spüren. In der Art, wie die Pausen zelebriert werden, wird im Argentinischen Tango selbst das Stehen zum Tanz.
Zum Milonga-Tanztreff im Begegnungszentrum Druckerei kommen Tangofans aus Hannover und Bielefeld, aus Detmold und Bad Oeynhausen. Fast 70 Tänzer bewegen sich im Kerzenlicht über die Tanzfläche. Leidenschaftlich, in schnellen Drehungen und mit stolzen Körperhaltungen. Mirowslaw Tybora spielt Akkordeon, seine Partnerin Maria Szczepanska begleitet ihn am Klavier.
Während sich in Deutschland auch beim Tango längst die Damenwahl etabliert hat, liegt die Führungsaufgabe nach wie vor in Männerhand. „Der Mann ist verantwortlich. Je eindeutiger er führt und um so mehr Zeit er der Frau lässt, um so besser ist es. Als Tänzer spürt man, wie die Frau tanzen möchte. Meine Aufgabe ist es, sie gut und glücklich aussehen zu lassen", sagt Alfred Behrendt.
Seit anderthalb Jahren organisiert der Tangotänzer den Milonga-Treff in der Druckerei, bei dem sich Anfänger und Fortgeschrittene dem argentinischen Tanz hingeben.
„Im Tango darf der Mann, was ihm sonst im Leben nicht immer erlaubt ist: er darf führen", bestätigt Edith Behrendt die Erfahrungen ihres Ehemanns Alfred. So wie Alfred Behrendt und seiner Frau Edith geht es den meisten Tanzpaaren beim Milonga-Treff: Die ersten Erfahrungen auf der Tanzfläche sammelten sie beim Standardtanz. Bei Walzer und Discofox, bei Foxtrott und Cha-Cha-Cha.
Als dann der argentinische Tango ins Spiel kam, hatte der Standard schnell ausgedient. „Im Standard tanzt man den Rhythmus, im argentinischen Tango das Gefühl. Man berührt sich, ist in sich versunken, einfach näher beieinander", beschreibt Alfred Behrendt die Faszination des lange Zeit als verrucht geltenden Tangos.
Jenny Kromov und Ronald Sommer kommen aus Detmold, um in der Druckerei das Tanzbein zu schwingen. „Vor allem der Wechsel von langsamen zu impulsiven Sequenzen in der Musik macht uns beim Tanzen viel Spaß", erzählen die Lipper.
Als die traurige Melodie eines Tangos von Astor Piazzolla erklingt, halten die Tanzpaare einen Moment inne. „Zum Tanzen ist diese Musik sehr schwierig", erzählt Alfred Behrendt. Doch nach wenigen Sekunden nehmen die Tänzer die Herausforderung an. Das Bandeon seufzt und ächzt, dann verschmelzen die Körper wieder ineinander, aus traurigen Gedanken werden Drehungen. „Tango macht eben süchtig", sagt Edith Behrendt.,,,,,,
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